Du kaufst dir eine neue Bratpfanne, wählst bewusst ein Modell mit “antihaftbeschichteter Oberfläche” und denkst: gut gemacht, praktisch und zeitsparend. Was du dabei wahrscheinlich nicht weißt: Diese Beschichtung könnte PFAS enthalten, also Chemikalien, die sich jahrzehntelang in deinem Körper und der Umwelt anreichern. Klingt das bekannt? Dann wird es Zeit, dass du verstehst, was PFAS wirklich sind.
PFAS: was ist das genau?
PFAS ist eine Abkürzung und steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Du fragst dich vielleicht, was das auf Deutsch bedeutet? Ganz einfach: Es handelt sich um eine riesige Gruppe von synthetischen Chemikalien, die Menschen seit den 1950er Jahren herstellen. Sie kommen in der Natur nicht vor, und genau das macht sie so problematisch.
Das Umweltbundesamt (UBA), Deutschlands wichtigste Umweltbehörde, beschreibt PFAS als eine Gruppe von mehr als 10.000 verschiedenen Stoffen. Du hast also nicht mit einer einzigen Chemikalie zu tun, sondern mit einer ganzen Familie von Verbindungen. PFAS sind auch bekannt unter den Begriffen PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien), PFT (perfluorierte Tenside) oder dem englischen Begriff “forever chemicals”, auf Deutsch: “Ewigkeitschemikalien”.
Was bedeutet “per- und polyfluoriert”?
Hinter dem etwas sperrigen Begriff steckt eigentlich ein klares Prinzip. Alle PFAS haben ein Grundgerüst aus Kohlenstoffketten, die von Fluoratomen umhüllt sind. Diese sogenannte Kohlenstoff-Fluor-Bindung ist eine der stärksten Bindungen in der organischen Chemie überhaupt. Mit anderen Worten: Sie ist extrem schwer zu zerstören.
Weder Bakterien noch Wasser, Luft oder Sonnenlicht schaffen es, PFAS unter natürlichen Bedingungen abzubauen. Das ist der Kern des Problems. Was einmal in die Umwelt gelangt, bleibt dort, im Boden, im Wasser, in Pflanzen und letztlich in uns.
“Perfluoriert” bedeutet dabei, dass alle Kohlenstoffatome vollständig von Fluoratomen umgeben sind. “Polyfluoriert” heißt, dass das nur zum Teil der Fall ist. Beides führt zu dieser ungewöhnlichen Stabilität.
Warum wurden PFAS überhaupt entwickelt?
Na ja, du kannst es dir vorstellen: Die Eigenschaften klingen zunächst total verlockend. PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend, extrem hitzebeständig und halten enormen chemischen Belastungen stand. Für Industrie und Verbraucherprodukte schienen sie wie gemacht.
| Eigenschaft | Anwendungsbeispiel |
|---|---|
| Wasserabweisend | Regenjacken, Outdoor-Textilien |
| Fettabweisend | Bratpfannen, Backformen (Teflon/PTFE) |
| Hitzebeständig | Kochgeschirr, Backpapier |
| Schmutzabweisend | Teppiche, Möbelbezüge |
| Chemisch stabil | Feuerlöschschäume, Klimaanlagen |
Klar, die Liste ist beeindruckend. Aber die Kehrseite? Genau dieselbe Stabilität, die PFAS so nützlich macht, macht sie zu einem dauerhaften Umweltproblem.
PFAS-frei: was steckt wirklich dahinter?
Du siehst immer öfter Produkte mit dem Hinweis “PFAS-frei” oder “PFC-frei”, ob auf Pfannen, Backpapier oder Regenkleidung. Das ist kein Marketing-Gimmick, sondern ein echter Unterschied. Ein PFAS-freies Produkt verwendet andere Beschichtungen wie Keramik, Edelstahl, Gusseisen oder unbehandelte Edelstahllegierungen, die keine persistenten Fluorverbindungen enthalten.
Wenn du auf der Suche nach Bratpfannen ohne PFAS und Teflon bist, ist das also ein sehr sinnvoller Schritt, besonders beim Kochgeschirr, das täglich mit deinen Lebensmitteln in Kontakt kommt.
Wo stecken PFAS drin?
Spoiler: Es wird noch etwas beunruhigender. PFAS sind nicht nur in Pfannen zu finden. Sie stecken in ziemlich vielen Alltagsprodukten, mit denen du wahrscheinlich täglich in Berührung kommst.
Du findest sie in Antihaftbeschichtungen von Kochgeschirr (das bekannte Teflon enthält PTFE, ein PFAS), in wasserabweisenden Outdoor-Jacken, in Fast-Food-Verpackungen und Mikrowellenpopcorn-Tüten, in Teppichen und Möbelbezügen, in einigen Kosmetikprodukten sowie in Feuerlöschschäumen, die an Flughäfen und Kasernen eingesetzt werden.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass PFAS heute in fast allen Umweltmedien nachweisbar sind: in Böden, Gewässern, Pflanzen, Fischen und sogar im menschlichen Blut. Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben gezeigt, dass an über 1.500 Orten in Deutschland PFAS-Verschmutzungen nachgewiesen wurden.
PFAS im Körper: wie gelangst du damit in Kontakt?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass die Hauptaufnahmequelle für die meisten Menschen Lebensmittel sind, vor allem Fisch- und Fleischerzeugnisse. Aber auch das Trinkwasser kann eine Rolle spielen. Eine Untersuchung des BUND fand in 42 von 46 bundesweit gesammelten Trinkwasserproben Ewigkeitschemikalien. Zwar lagen alle Proben innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte, doch die schiere Verbreitung ist bemerkenswert.
Dazu kommt, dass PFAS sich im Körper nur sehr langsam abbauen. Das bedeutet: Bei regelmäßiger Aufnahme, zum Beispiel durch PFAS im Trinkwasser oder über Lebensmittel, können sich die Stoffe über Jahre anreichern.
Was macht PFAS mit dem Körper?
Das ist die Frage, die die meisten Menschen wirklich beschäftigt, und verständlich! Die Forschungslage ist komplex, weil es so viele verschiedene PFAS-Verbindungen gibt. Für einen Teil davon, vor allem PFOA und PFOS, gibt es aber mittlerweile deutliche Hinweise auf Gesundheitsrisiken.
Laut dem BfR wurden bei Kindern mit höheren PFAS-Blutspiegeln geringere Antikörperkonzentrationen nach normalen Impfungen beobachtet. Das Immunsystem kann also beeinträchtigt werden. Außerdem wurden bei höheren Belastungen erhöhte Cholesterinwerte und ein niedrigeres Geburtsgewicht festgestellt.
Studien an größeren Bevölkerungsgruppen geben laut Verbraucherzentrale außerdem Hinweise, dass bestimmte PFAS die Leber schädigen, den Hormonhaushalt stören, die Fruchtbarkeit verringern und möglicherweise Krebs erzeugen können, insbesondere Nieren- und Hodenkrebs.
Kein Grund zur Panik! Aber es ist definitiv ein Grund, bewusster auf PFAS-freie Alternativen zu achten, gerade dort, wo du täglich Kontakt hast, nämlich beim Kochen. Wenn dich interessiert, was PFAS mit dem Körper macht, findest du dazu auf dieser Website einen ausführlichen Artikel.
PFAS: Abkürzung, Bedeutung und verwandte Begriffe im Überblick
Du bist sicher schon über ähnlich klingende Begriffe gestolpert. Hier eine kurze Übersicht:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| PFAS | Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (Oberbegriff, 10.000+ Stoffe) |
| PFOA | Perfluoroctansäure, langkettiges PFAS, bereits weitgehend verboten |
| PFOS | Perfluoroctansulfonsäure, ebenfalls weitgehend verboten |
| PTFE | Polytetrafluorethylen, auch bekannt als Teflon |
| TFA | Trifluoracetat, kurzkettig, extrem persistent |
| PFC | Per- und polyfluorierte Chemikalien, ältere Bezeichnung für PFAS |
Besonders PFOA und PFOS sind inzwischen in der EU stark eingeschränkt oder verboten. Aber die Industrie hat sie durch neuere PFAS-Verbindungen ersetzt, die zwar kurzkettig sind, aber nach Einschätzung des Umweltbundesamts extrem persistent und mobil im Grundwasser sind. Das ist also kein gelöstes Problem.
Wie vermeidest du PFAS im Alltag?
Die gute Nachricht: Du kannst einiges tun! Im Küchenbereich ist der Wechsel zu PFAS-freiem Kochgeschirr die wirksamste Maßnahme. Gusseisen, Edelstahl und Keramikpfannen kochen hervorragend ohne jede Fluorchemie. Auch beim Backpapier lohnt es sich, auf PFAS-freie Alternativen zu achten.
Prof. Martin Scheringer von der ETH Zürich, einer der führenden Wissenschaftler für persistente Schadstoffe, betont seit Jahren, dass der einzige wirklich effektive Weg im konsequenten Vermeiden von PFAS-Quellen liegt, solange keine verlässliche Sanierungsmethode für kontaminierte Umwelt existiert.
Ziemlich viel auf einmal, oder? Aber du musst nicht alles auf einmal ändern. Fang mit dem an, was du täglich verwendest, und da ist die Küche ein perfekter Startpunkt.
Quellen:
- Umweltbundesamt (UBA): PFAS-Portal, umweltbundesamt.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Lebensmitteln und der Umwelt, bfr.bund.de
- Bundesumweltministerium (BMUKN): FAQ zu per- und polyfluorierten Chemikalien, bundesumweltministerium.de
- Verbraucherzentrale NRW: Ewigkeitschemikalien PFAS, verbraucherzentrale.de
- BUND: Ewigkeitschemikalien PFAS, bund.net