Du hast wahrscheinlich schon von PFAS gehört, von Teflon-Pfannen, Ewigkeitschemikalien und dem Trinkwassertest des BUND. Aber TFA? Das ist der Name, der in letzter Zeit immer öfter auftaucht und selbst Fachleute beunruhigt. Nicht weil TFA akut giftig ist, sondern weil sie überall ist, sich kaum aus der Umwelt entfernen lässt und die Belastung stetig steigt. Spoiler: Es wird noch interessanter.

TFA: was ist das?

TFA steht für Trifluoressigsäure, auf Englisch Trifluoroacetic Acid. Das Salz dieser Säure heißt Trifluoracetat, ebenfalls abgekürzt als TFA. Es handelt sich um eine kurzkettige Perfluorcarbonsäure, also eine Verbindung aus der großen Familie der PFAS. TFA ist dabei ein Endprodukt, das entsteht, wenn viele andere fluorierte Chemikalien in der Umwelt abgebaut werden.

Anders als bekanntere PFAS wie PFOA oder PFOS wurde TFA lange als wenig problematisch eingestuft. Das hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, dazu später mehr.

Woher kommt TFA?

Das Besondere an TFA ist, dass sie aus sehr vielen verschiedenen Quellen stammt. Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einem umfangreichen Projekt die Eintragspfade in Deutschland analysiert und drei Hauptquellen identifiziert.

Die größte Quelle sind fluorierte Kälte- und Treibmittel, sogenannte F-Gase, die in Wärmepumpen, Klimaanlagen und Kühlschränken eingesetzt werden. Gelangen diese Gase in die Atmosphäre, werden sie durch UV-Strahlung umgewandelt und es entsteht dabei TFA, die dann mit dem Regen auf Böden und in Gewässer gelangt. Besonders problematisch: Die EU schreibt im Rahmen der F-Gas-Verordnung vor, dass klimaschädliche Kältemittel bis 2030 durch Stoffe mit niedrigerem Treibhauspotential ersetzt werden müssen. Viele dieser Ersatzstoffe bilden jedoch ebenfalls TFA als Abbauprodukt.

Die zweite wichtige Quelle sind Pestizide mit PFAS-Struktur. In der EU tragen nach Angaben der Europäischen Behörde neun Pflanzenschutzmittelwirkstoffe besonders zur TFA-Bildung bei, darunter die Herbizide Diflufenican und Flufenacet sowie die Fungizide Fluopyram und Trifloxystrobin. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat deshalb Ende 2025 Klagen gegen die Zulassung von drei TFA-bildenden Pestiziden eingereicht.

Die dritte Quelle sind industrielle Prozesse sowie Arzneimittel, bei deren Herstellung oder Abbau ebenfalls TFA freigesetzt werden kann.

TFA im Vergleich zu anderen PFAS

TFA unterscheidet sich von den bekannteren langkettigen PFAS wie PFOA und PFOS in einem wichtigen Punkt: Sie reichert sich kaum im Körper an, dafür ist sie extrem mobil im Wasser. Das bedeutet, sie wandert schnell durch Böden ins Grundwasser und lässt sich mit herkömmlichen Wasseraufbereitungsverfahren kaum entfernen. Das Umweltbundesamt formuliert das klar: TFA ist mit herkömmlichen Wasseraufbereitungsmethoden nicht zu entfernen.

EigenschaftLangkettige PFAS (z. B. PFOA)TFA
Bioakkumulation im KörperHochGering
Mobilität im GrundwasserMittelSehr hoch
Abbaubarkeit in der UmweltKeineKeine
Entfernbar aus TrinkwasserMit Aktivkohle teilweiseKaum möglich
RegulierungWeitgehend verbotenNoch keine Grenzwerte im Trinkwasser

TFA im Trinkwasser: wie verbreitet ist sie?

Messungen der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft LAWA haben TFA bereits in 78 Prozent aller Grundwassermessstellen in Deutschland nachgewiesen. Das Umweltbundesamt hat für Trinkwasser einen gesundheitlichen Leitwert von 60 Mikrogramm pro Liter abgeleitet und empfiehlt, unter 10 Mikrogramm pro Liter zu bleiben. In den meisten untersuchten deutschen Trinkwässern werden diese Werte bisher eingehalten, die mittleren Konzentrationen in Bayern lagen laut Landesamt für Umwelt bei etwa 1 Mikrogramm pro Liter.

Eine neue Studie von PAN Europe aus Dezember 2025 zeigte jedoch, dass TFA in Getreideprodukten durchschnittlich 107-mal höher konzentriert ist als im Leitungswasser. In 81,8 Prozent der getesteten Proben wurde der Höchstwert für reproduktionstoxische Stoffe überschritten. Die wichtigste Expositionsquelle ist also nicht das Trinkwasser, sondern die Nahrung.

Mehr über die aktuelle Belastungslage im Trinkwasser und verfügbare Filtermethoden erfährst du im Artikel über PFAS im Trinkwasser.

Ist TFA gefährlich für die Gesundheit?

Das ist die Frage, die gerade intensiv diskutiert wird. Die Einschätzung hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat TFA zusammen mit dem Umweltbundesamt und der Bundesstelle für Chemikalien bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) als fortpflanzungsgefährdend eingestuft, konkret als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B. Der zugehörige Gefahrenhinweis lautet: „Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.”

BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel erklärt dazu, dass der toxikologische Effekt im Tiermodell erst bei Konzentrationen nachgewiesen wurde, die deutlich über den aktuellen Umweltgehalten liegen. Akute Gesundheitsschäden sind bei den derzeitigen Belastungen also nicht zu erwarten. Die neue Einstufung ist aber nach seinen Worten ein wichtiger erster Schritt, damit das auch in Zukunft so bleibt, vor allem angesichts stetig steigender TFA-Konzentrationen in der Umwelt.

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche hormonelle Wirkungen auf die Schilddrüse und Auswirkungen auf das Immunsystem, Studien zur krebserzeugenden Wirkung fehlen noch.

TFA und PFAS: der Unterschied

TFA ist ein PFAS, aber eine besondere: Sie ist nicht das Ausgangsmaterial, sondern das Endprodukt. Wenn PFAS, Pestizide oder fluorierte Kältemittel in der Umwelt zerfallen, bleibt TFA als stabile Restverbindung übrig. Sie ist damit das letzte Glied einer langen Kette und lässt sich nicht weiter abbauen. Das macht sie in gewisser Weise unvermeidlich, solange fluorierte Verbindungen in der Industrie eingesetzt werden.

Wer den Unterschied zwischen verschiedenen PFAS besser verstehen möchte, findet auf dieser Website auch einen Artikel darüber, was PFAS überhaupt sind, und was PFOA als eine der bekanntesten Einzelverbindungen ausmacht.

Was kannst du tun?

Da TFA kaum aus Trinkwasser herausgefiltert werden kann, bleibt die wichtigste Maßnahme die Vermeidung von Eintragsquellen, also der Ausstieg aus PFAS-bildenden Pestiziden und F-Gasen auf politischer Ebene. Als Einzelperson kannst du bei Lebensmitteln auf Bioprodukte setzen, die ohne TFA-bildende Pestizide angebaut werden, und in der Küche auf PFAS-freies Kochgeschirr umsteigen, um zumindest einen Eintragsweg zu schließen.

Die allgemeine Frage, wie man PFAS im Alltag vermeiden kann, beantwortet der Artikel PFAS vermeiden mit konkreten Tipps für Küche und Haushalt.


Quellen:

  • Umweltbundesamt (UBA): Trifluoracetat (TFA): Grundlagen für eine effektive Minimierung schaffen, umweltbundesamt.de
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) / BAuA: TFA Bewertung für Einstufung als reproduktionstoxisch, reach-clp-biozid-helpdesk.de
  • Landesamt für Umwelt Bayern (LfU): Trifluoressigsäure, lfu.bayern.de
  • PAN Germany / PAN Europe: Europaweit Getreideprodukte mit TFA belastet (Dezember 2025), pan-germany.org
  • Deutsche Umwelthilfe (DUH): Klagen gegen TFA-bildende Pestizide (Oktober 2025), duh.de

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Last Update: 12 mei 2026