Du kaufst eine neue Trinkflasche und siehst das Label „BPA-frei”. Erleichtert nimmst du sie mit, in dem Gedanken, das Richtige getan zu haben. Aber dann liest du irgendwo, dass die Flasche PFAS enthalten könnte. Was ist jetzt eigentlich was? Und sind das nicht beides die gleichen schädlichen Chemikalien? Kurze Antwort: Nein. BPA und PFAS sind zwei völlig unterschiedliche Schadstoffgruppen, die unterschiedliche Quellen, unterschiedliche Wirkungen und unterschiedliche Verbreitungspfade haben.

Was ist BPA?

BPA steht für Bisphenol A, chemisch korrekt 2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)-propan. Es handelt sich um eine synthetische Chemikalie, die seit den 1950er Jahren industriell hergestellt wird und vor allem als Baustein für Polycarbonат-Kunststoffe und Epoxidharze eingesetzt wird. Polycarbonat ist ein hartes, klares Plastik, das in Trinkflaschen, Lebensmittelbehältern, Mikrowellengeschirr und Wasserkocher­gehäusen eingesetzt wird. Epoxidharze kennt man vor allem als Innenbeschichtung von Konserven- und Getränkedosen.

Das Problem: BPA kann sich aus diesen Materialien lösen und in Lebensmittel übergehen, besonders bei Wärme, säurehaltigen Inhalten oder mechanischer Beanspruchung. BPA gehört zu den sogenannten endokrinen Disruptoren, also Stoffen, die in den Hormonhaushalt eingreifen können, weil sie die Wirkung von Östrogen im Körper nachahmen oder stören. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat BPA als besonders besorgniserregende Substanz mit hormonell schädigenden Eigenschaften eingestuft.

Was ist PFAS?

PFAS ist der Oberbegriff für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Fluorchemikalien. Dazu gehören bekannte Verbindungen wie PFOA, PFOS, PTFE (Teflon) und TFA. PFAS werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in Antihaftbeschichtungen, Outdoortextilien, Lebensmittelverpackungen, Feuerlöschschaum und vielen weiteren Bereichen eingesetzt. Mehr dazu erklärt der Artikel was ist PFAS.

BPA vs. PFAS: die wichtigsten Unterschiede

Obwohl beide als gefährlich gelten und in Alltagsprodukten vorkommen, sind BPA und PFAS in fast jeder Hinsicht verschieden.

MerkmalBPAPFAS
Chemische GruppeBisphenole (Kunststoff-Grundstoff)Fluorchemikalien (10.000+ Verbindungen)
HauptquelleHartplastik, DoseninnenbeschichtungenAntihaftbeschichtungen, Textilien, Verpackungen
WirkungsweiseEndokriner Disruptor (Hormonwirkung)Persistent, bioakkumulierend, diverse Organwirkungen
AbbaubarkeitIm Körper relativ schnell abgebautPraktisch nicht abbaubar (Ewigkeitschemikalien)
BioakkumulationGeringHoch (bei langkettigen PFAS)
EU-VerbotAb Januar 2025 in LebensmittelkontaktmaterialienPFOA verboten (2020), breites Verbot in Vorbereitung
Erkannte HauptrisikenHormonstörungen, Krebs, FruchtbarkeitsschädenImmunsuppression, Leber, Krebs, Entwicklungsstörungen

Ist BPA-frei dasselbe wie PFAS-frei?

Nein, definitiv nicht. Das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels. „BPA-frei” bedeutet ausschließlich, dass kein Bisphenol A enthalten ist. Es sagt nichts über PFAS aus. Eine Pfanne kann gleichzeitig BPA-frei und PFAS-haltig sein, was bei den meisten Antihaftpfannen tatsächlich der Fall ist. PTFE-Beschichtungen enthalten kein BPA, sind aber PFAS.

Umgekehrt gilt genauso: Eine Trinkflasche aus Edelstahl ist weder BPA-haltig noch PFAS-haltig. Eine Plastikflasche kann BPA-frei sein, aber durch den Einsatz anderer Bisphenole wie BPS oder BPF ähnliche Hormonstörungen verursachen. Und ein Outdoorjacke kann BPA-frei sein, aber PFAS-haltige Imprägnierung enthalten.

BPA-frei und die Ersatzstoffproblematik

„BPA-frei” löst das Problem nicht automatisch. Viele Hersteller ersetzen BPA durch Bisphenol S (BPS), Bisphenol F (BPF) oder andere Bisphenole, die chemisch ähnlich aufgebaut sind und nach aktuellen Erkenntnissen ebenfalls hormonell wirken können. Die ECHA hat 148 Bisphenole untersucht und bei über 30 davon Einschränkungen empfohlen. Wer wirklich sicher gehen will, wählt Materialien wie Glas, Edelstahl oder Keramik, die keinerlei Bisphenole benötigen.

Das gleiche Muster kennt man übrigens auch bei PFAS: „PFOA-frei” bedeutet nicht PFAS-frei, wie der Artikel über das PFAS-Verbot und die Ersatzstoffproblematik erklärt.

Wo stecken BPA und PFAS im Küchen-Alltag?

In der Küche begegnen dir beide Schadstoffgruppen, aber an verschiedenen Stellen.

BPA findest du vor allem in Konservendosen (Innenbeschichtung), einigen Kunststoff-Vorratsdosen, älteren Wasserkocher- und Kaffeemaschinen-Gehäusen aus Polycarbonat sowie in Thermopapier-Kassenzettel.

PFAS stecken dagegen vor allem in Antihaftbeschichtungen von Pfannen, Waffeleisen, Airfryern und Backblechen, in Backpapier mit fettabweisender Beschichtung sowie in Fast-Food-Verpackungen und Mikrowellenpopcorn-Tüten. Mehr zu allen Quellen im Artikel wo ist PFAS enthalten.

Aktueller Stand: was ist verboten?

BPA wurde in der EU mit einer Verordnung vom Januar 2025 für alle Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff verboten. Eine Übergangsfrist von 18 Monaten gilt bis Juli 2026, danach darf BPA nicht mehr in Konservendosen, Trinkflaschen oder Verpackungen eingesetzt werden. Für Babyflaschen galt das Verbot bereits seit 2011.

Bei PFAS läuft ein umfangreicher Verbotsprozess über die REACH-Verordnung. PFOA ist seit 2020 verboten, ein breites Verbot aller PFAS wird für 2027 erwartet. Für Feuerlöschschaum gilt bereits ein Verbot ab Oktober 2026.

Was bedeutet das für deine Kaufentscheidung?

Wenn du wirklich sicher kochen möchtest, reicht „BPA-frei” allein nicht aus. Hier die wichtigsten Faustregeln: Für Kochgeschirr gilt: achte auf „PFAS-frei” oder „fluorfrei”, nicht nur auf „BPA-frei” oder „PFOA-frei”. Für Trinkflaschen und Lebensmittelbehälter gilt: Glas und Edelstahl sind sowohl BPA- als auch PFAS-frei. Für Konserven gilt: bis Juli 2026 können noch BPA-haltige Dosen im Umlauf sein — bei häufigem Konsum kann ein Wechsel zu Glas sinnvoll sein. Eine Übersicht PFAS-freier Pfannen findest du hier: Bratpfannen ohne PFAS und Teflon.


Quellen:

  • BUND: Bisphenol A, bund.net
  • Utopia.de: Gesundheitsrisiken durch BPA, utopia.de
  • Apotheken Umschau: Bisphenol A — so schädlich ist es für die Gesundheit, apotheken-umschau.de
  • Verbraucherzentrale NRW: Pfannen und PFAS, verbraucherzentrale.de
  • Stiftung für Konsumentenschutz: Was sind Bisphenole und warum sind sie gefährlich, konsumentenschutz.ch
  • Umweltbundesamt (UBA): PFAS-Portal, umweltbundesamt.de

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Last Update: 12 mei 2026