Du hast schon von PFAS gehört, von Ewigkeitschemikalien und von Teflon. Aber dann taucht auf einer Pfannenverpackung das Versprechen auf: „PFOA-frei”. Was genau steckt dahinter, und warum wird ausgerechnet diese eine Verbindung so oft erwähnt? PFOA ist nicht irgendeine Chemikalie. Sie steht für einen der größten Industrieskandale der Nachkriegszeit, und ihr Verbot war ein langer, teuer erkaufter Kampf. Spoiler: Verboten heißt leider nicht verschwunden.

PFOA: was ist das und was bedeutet die Abkürzung?

PFOA steht für Perfluoroctansäure, auf Englisch Perfluorooctanoic Acid. Es handelt sich um eine langkettige per- und polyfluorierte Alkylsubstanz, also ein PFAS. Die Abkürzung PFOA wird manchmal auch als C8 bezeichnet, weil das Molekül eine Kette aus acht Kohlenstoffatomen hat. PFOA ist wasserlöslich, extrem stabil und reichert sich im menschlichen Körper und in der Nahrungskette an.

Besonders bekannt wurde PFOA als Hilfsstoff bei der Herstellung von PTFE, dem Kunststoff hinter dem Markennamen Teflon. PFOA selbst landete dabei nicht in der Pfanne, sondern wurde als Emulgator im Produktionsprozess eingesetzt. Das Problem: Es gelangte über Abluft und Abwasser in die Umwelt, ins Grundwasser, in Fische und letztlich in den menschlichen Körper.

PFOA und PFAS: was ist der Unterschied?

Das ist die Frage, die immer wieder gestellt wird, und die Antwort ist eigentlich einfach. PFAS ist der Oberbegriff für eine gesamte Gruppe von mehr als 10.000 synthetischen Fluorchemikalien. PFOA ist eine einzige, besonders gut untersuchte Verbindung aus dieser Gruppe.

MerkmalPFASPFOA
Was es istOberbegriff für 10.000+ VerbindungenEine einzelne PFAS-Verbindung
AbbaubarkeitKeine bis sehr geringKeine
BioakkumulationJe nach VerbindungHoch
Status in der EUTeilweise reguliertSeit Juli 2020 verboten
Bekannt durchAllgemeines UmweltproblemDuPont-Skandal, Film „Vergiftete Wahrheit”

Der wichtigste Unterschied: Wenn auf einer Pfanne „PFOA-frei” steht, bedeutet das nur, dass diese eine Verbindung nicht verwendet wurde. Es sagt nichts darüber aus, ob andere PFAS enthalten sind. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass ein solches Label häufig bedeutet, dass PFOA durch andere Fluorverbindungen wie GenX ersetzt wurde. Wirklich PFAS-frei sind nur Produkte, die explizit als „frei von PFAS” oder „fluorfrei” gekennzeichnet sind.

Der DuPont-Skandal: wie PFOA bekannt wurde

PFOA hat eine Geschichte, die ein ganzes Buch füllen könnte, und tatsächlich wurde sie 2019 im Hollywood-Film „Vergiftete Wahrheit” mit Mark Ruffalo verfilmt. Der US-amerikanische Anwalt Rob Bilott klagte ab 1999 gegen den Chemiekonzern DuPont, nachdem sich herausgestellt hatte, dass das Unternehmen jahrzehntelang Trinkwasser in der Umgebung seiner Produktionsstätten in West Virginia mit PFOA verseucht hatte. Kühe starben, Menschen erkrankten an Krebs, und DuPont wusste seit Jahrzehnten davon.

Bilott erkämpfte nach 15 Jahren Klärung für Tausende Betroffene und wurde 2017 mit dem Right Livelihood Award, dem sogenannten Alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet. Der Fall zeigt, warum PFOA heute so bekannt ist: nicht weil es die gefährlichste PFAS-Verbindung ist, sondern weil es die am gründlichsten untersuchte und am deutlichsten dokumentierte ist.

Warum ist PFOA so problematisch?

PFOA reichert sich im Körper an und verbleibt dort über lange Zeiträume. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA haben die tolerierbaren Aufnahmemengen für PFOA in den letzten Jahren drastisch gesenkt, um den Faktor 1.750 im Vergleich zu früheren Einschätzungen.

Aus Tierversuchen sind krebserregende, lebertoxische und reproduktionstoxische Eigenschaften bekannt. Bevölkerungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen PFOA-Belastung und erhöhten Cholesterinwerten, Leberwertveränderungen und einem erhöhten Risiko für Nieren- und Hodenkrebs. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft PFOA seit 2023 als erwiesenermaßen krebserregend beim Menschen ein.

In deutschen Blutproben von Kindern und Jugendlichen aus der GerES-V-Studie des Umweltbundesamts wurde PFOA in 86 Prozent der Proben nachgewiesen. Bei rund 20 Prozent lagen die Werte über dem vorsorglichen Grenzwert, ab dem gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht mehr sicher auszuschließen sind.

PFOA-Verbot: was hat sich geändert?

Im Jahr 2019 wurde PFOA im Rahmen der Stockholm-Konvention weltweit verboten. In der EU gilt seit dem 4. Juli 2020 ein Verwendungsverbot für PFOA und verwandte Verbindungen. Das ist ein wichtiger Schritt, aber kein vollständiger Abschluss. Denn erstens ist PFOA bereits so weit in der Umwelt verteilt, dass sie weiterhin in Böden, Gewässern und im Blut von Menschen nachweisbar ist. Und zweitens hat die Industrie PFOA oft einfach durch andere PFAS wie GenX ersetzt, die ähnliche Eigenschaften haben und deren Langzeitwirkungen noch wenig erforscht sind. Der EU-Gerichtshof hat GenX-Chemikalien inzwischen als „besonders besorgniserregend” eingestuft.

Was bedeutet „PFOA-frei” auf deiner Pfanne?

Gute Frage! „PFOA-frei” bedeutet ausschließlich, dass dieser eine Stoff nicht verwendet wurde. Es ist kein Freifahrtschein für unbedenkliche Chemikalien, und es bedeutet nicht, dass die Pfanne frei von allen PFAS ist. Wer wirklich sicher gehen möchte, achtet auf die Kennzeichnung „PFAS-frei”, „PFC-frei” oder „fluorfrei”, oder wechselt direkt zu Kochgeschirr ohne jede synthetische Beschichtung. Bratpfannen aus Gusseisen, Edelstahl oder mit Keramikbeschichtung sind dabei die zuverlässigsten Alternativen.

Mehr darüber, was PFAS als Oberbegriff bedeutet und wie groß die gesamte Stoffgruppe ist, erklärt der Artikel was ist PFAS. Wer verstehen möchte, wie sich PFOA von TFA als neuerem Sorgenkind unterscheidet, findet das im Artikel was ist TFA. Und wer konkrete Tipps sucht, wie man PFAS im Alltag reduziert, wird bei PFAS vermeiden fündig.


Quellen:

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Gesundheitliche Risiken durch PFOA, bfr.bund.de
  • Umweltbundesamt (UBA): PFAS-Portal, umweltbundesamt.de
  • Verbraucherzentrale NRW: Pfannen und PFAS, verbraucherzentrale.de
  • CHEM Trust: PFOA und „Vergiftete Wahrheit”, chemtrust.org
  • Wikipedia (deutsch): Perfluoroctansäure, de.wikipedia.org

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Last Update: 12 mei 2026